Okt 19 2011

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Im Dunkeln ist gut Munkeln – Dunkelrestaurant Mondschein

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Als eines Tages der Schriftzug „Mondschein – Dunkelrestaurant“ mir in das Auge fiel, dachte ich als erstes an Sachen wie: Werwölfe, Grufties, Lakritze. Als dann eines der vielen Gutscheinportale einen Gutschein für dieses Restaurant offerierte, schlug ich zu.

Natürlich war mir schnell klar, dass hier nicht die Gäste von Dunkler Herkunft sind, sondern stattdessen das Restaurant, hinter einer kunstvoll beleuchteten Lounge, in ein tiefes Schwarz gehüllt war.

Nach der Auswahl eines von mehreren Vier-Gänge-Menüs, versteckt hinter kunstvollen Namen und Beschreibungen, hieß es „Bitte folgen.“ An die ferne Kindheit erinnert, ging es Hand-in-Hand um ein-zwei Ecken gefolgt von einem Vorhang an den Tisch.

Ob der Tisch aus edlen Nussholz oder laminierten Pressspan bestand, die Tischdecke durchwoben mit Goldfäden oder einfach nur weiß war können wir nicht mehr sagen, denn alles war SCHWARZ.

Es folgte eine sehr nette Einweisung durch den Kellner, welcher uns den Abend über zur Seite stand und uns half, die Hand sicher zum Weinglaß zu führen, sollte es erforderlich werden. Die Kellnerschaft setzt sich ausschließlich aus Personen zusammen, welche über eine stark reduzierte Sehkraft verfügen oder in vollständiger Blindheit den Alltag meistern müssen.

Uns stellte dieser Ausflug vor die Herausforderung, den Sehsinn eine Auszeit zu geben und stattdessen den restlichen Sinnen die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Nachdem das Weinglaß kein großes Problem mehr darstellte, kam der erste Gang: die Vorsuppe. Als leichter Einstieg gedacht, traten zum Ende hin doch einige Probleme auf: Ist der Teller schon leer … hmm … mal fühlen. Was in so manch anderem Restaurant für kritische Blicke gesorgt hätte, führte hier schnell zu Gelächter wenn man hört, dass man nicht allein die Finger gerade in die Suppe getunkt hat.

Es folgten drei sehr leckere Gänge: Die Schwierigkeit stellte manchmal das Porzellan dar, z.B. kleine Schälchen für die Dipps des Desserts oder auch die Speisen selbst, wenn es beispielsweise darum ging, eine Muschel zu essen.

Für die Besucher ist solch ein Abend in völliger Dunkelheit auch irgend wann einmal zu Ende und man ist froh wieder Licht zu sehen. In die Erleichterung sich sein Hemd nicht bekleckst zu haben, schleichen sich auch nachdenkliche Momente, in denen man sich an die alltäglichen Schwierigkeiten und Hindernisse erinnert, die Menschen wie unseren netten Kellnern tagtäglich außerhalb des Restaurants herausfordern.

Nachdem am Ende unseres Besuches auch das Geheimnis der einzelnen Gänge gelüftet wurde, verließen wir das Restaurant und der Mond grüßte vom Himmel herab. Der Abend war erfüllt von Erinnerungen an das Erlebte und Unterhaltungen wie „Ich hätte gewettet es wäre … gewesen. […] Hab ich es doch erraten, dass es … war.“. (Die Karte wechselt in regelmäßigen Abständen, so dass einem zweiten Besuch nichts im Wege steht.)

Fazit: Ein Muss für alle, welche Essen nicht nur nach dem optischen Gesichtspunkten bewerten, sondern ihr Essen auch Schmecken (und Fühlen) und ihre Geschmacksmuskeln kitzeln wollen.

Homepage: http://www.leipzig-dunkelrestaurant.de/

Adresse: Pfaffendorfer Straße 1
04105 Leipzig
Telefon: +49 (0) 341 – 26 45 30 30
Mobil: +49 (0) 177 – 21 28 620

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PS: Und wer immer noch nicht weiß, was ‚munkeln‘ bedeutet, der sei an dieser Stelle an die Wikipedia verwiesen.

1 Kommentar

1 Kommentarvon “Im Dunkeln ist gut Munkeln – Dunkelrestaurant Mondschein”

  1. POI4U.de » Link – Qype.comon 23 Okt 2011 at 19:51 1

    […] « Im Dunkeln ist gut Munkeln – Dunkelrestaurant Mondschein […]

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